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Hannes_von_Sternberg

Inscrit le: 09 Aoû 2026 Messages: 4
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Posté le: Ven Aoû 21, 2026 12:04 am Sujet du message: Der Historiker |
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Die Reise nach Rom hatte sich wahrlich gezogen. Erschrocken musste Hannes immer wieder Halt machen. Manche Dörfer, die er zu Anfang des Krieges noch voller Tatendrang durchquert hatte, schienen alles Leben verloren zu haben. Ruinen, verlassene Häuser, ganze Straßenzüge waren verlassen... oder verstorben? Das Gewissen des präzisen Bogenschützen meldete sich kurz. Nein, er kämpfte für das Reich. Vor allem für das Königreich - für eine gute Sache. Diese Gedanken kreisten im Kopf des Chronisten. Er war auf dem Weg zu Kalixtus. Er hatte es ihm wahrlich nicht einfach gemacht in den letzten Jahren. Er wollte ihn endlich in Ruhe sprechen. Nicht weil er etwas richtig zu stellen hatte, schon gar nicht weil er ein politisches Ziel vor Augen austarieren wollte. Nein, aus historischen Gründen, doch auch aus anderen Gründen heraus. Aus Gründen heraus, die die sehr junge Geschichte betrafen. Der Tross des Chronisten hatte das vornehme Palais des Kardinals erreicht. Nach kurzem Gespräch mit den Wachen war schnell klar, dass sie erwartet wurden. Eine kurze Diskussion musste er führen, als es darum ging, wie weit die Huftiere ins Innere des Palais vordringen durften. Vor allem Nike, das Kamel, hatte extrem wertvolle und seltene historische Aufzeichnungen mitgebacht, die Hannes sicher nicht einem einfachen römischen Stallburschen überlassen würde. Er setzte sich durch und ließ seine Aufzeichnungen bis in den Innenhof des mediterranen Palais bringen.
Er wies die Wachen freundlich, zurückhaltend, aber bestimmt an den Kardinal über seine Ankunft in Kenntnis zu setzen. |
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Kalixtus Cardinal


Inscrit le: 24 Fév 2013 Messages: 16248 Localisation: Roma, Palazzo Doria-Pamphilj
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Posté le: Ven Aoû 21, 2026 4:03 pm Sujet du message: |
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Kalixtus' Falken flogen über die Lande und der Kardinal war über die Reisebewegungen des Chronisten informiert gewesen. Das tat er stets. Für den Kardinal war es von ungeheurer Wichtigkeit, stets informiert zu sein, und so bewegte sich das Netz und brachte ihm oft den Beinamen einer goldenen Spinne von Rom ein oder den eines Kraken. Kalixtus trug unzählige Beinamen, einige charmant, andere waren wahr.
Er saß im Pavillon und ließ den Chronisten zu sich bitten.
Die blütenweißen Gewänder des Kardinals waren durchzogen von kosmologischen Symmetrien aus goldenen Fäden, die aufblitzten, sofern sie mit Sonnenlicht in Berührung kamen. Ein gewollter Effekt, der dem Mann eine ätherische Ausstrahlung schenkte.
Der Pavillon stand in Sichtweite des Schwimmbeckens, in das der Kardinal gerne schwamm, aber er war auch umrahmt von einer Vielzahl an Rosen und mediterranen Gewächsen, welche die Luft süß-würzig schwängerten.
Im Schoß des Kardinals ruhte der Kopf von Anasari, seinem weißen Löwen. Sanft kraulten die langen, zu Halbmonden gefeilten Nägel des Kardinals den Kopf des majestätischen Tieres.
Die eisblauen Augen verfolgten die Ankunft von Hannes in seinem Park. Er wusste, dass man ihn durch das eindrucksvolle Foyer und den Salon geführt hatte. Vorbei an den Fresken, die das Himmelreich zeigten, prachtvollen Statuen und Gemälden, auch eines von ihm, wo er streng und würdevoll aus dem Rahmen auf den Besuch blickte.
Das weiße Marmor des Palastes unterschied diesen Ort von den üblichen sandfarbenen Gebäuden. Kalixtus bevorzugte das Weiße. Dieser Palazzo, der von Papst Innozenz gebaut wurde, blieb lange unbewohnt, bis Kalixtus aus ihm sein kleines römisches Paradiesum machte. Eine Rückzugsoase in der arbeitsreichen Zeit und auch ein Ort für repräsentativen Besuch, so wie jetzt.
Das weiße Haar des Kardinals war zu einer aufwendigen Frisur verflochten worden und unterstrich wie üblich die Würde und Ausstrahlung des Mannes, der dort in einer geschmackvollen Wolke aus Amber, Adlerholz und einem Hauch Weihrauch den überwiegenden Duft nach süßen Rosen und Orangenblüten seines Parks entgegentrat.
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Hannes_von_Sternberg

Inscrit le: 09 Aoû 2026 Messages: 4
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Posté le: Dim Aoû 23, 2026 2:20 am Sujet du message: |
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Das Gefolge war versorgt, das Gepäck gesichert. Langsam trat Hannes durch das Foyer und den Salon. Es war ein lauer Tag. Es gab sicherlich schlechtere Orte, um den Sommer zu genießen. Die prächtigen Fresken, der Marmor. Es war nicht so, dass Aachen dem Glanze in etwas nachstehen würde, doch Roma, das Klima, die Ursprünglichkeit, das Licht, ja, vor allem das tiefe blau des mediterranen Himmels vermochte es die Dinge in ein gänzlich anderes Licht zu tauchen. Er hatte die Hände hinter seinem purpurnen Umhang verschränkt. Die Zikaden trällerten ihr Lied, während Hannes auf den geschwungenen Wegen seiner Nase folgte. Hätte er den den Garten des Kalixtus entworfen, wären es grade, zielgerichtete Wege geworden. Doch ließ er sich auch gerne eines Besseren belehren. Je älter das Reich und je jünger ihre Politiker wurden, umso weniger hatte er den Eindruck, dass die althergebrachten Traditionen und Konstanten Bestand hatten.
Seine Schritte wurden etwas schneller und doch ließ er es sich nicht nehmen über die feinen Statuen zu streichen. Seine Finger glitten über den kalten Marmor. Der Chronist ließ sich Zeit und genoss den Garten in vollen Zügen.
Schließlich näherte er sich dem Pavillon. Er ließ seinen Blick nochmal in die Ferne über die ewige Start schweifen, bis sie sich schließlich gegenüber standen. Der Chronist blickte direkt, scharf, unerschrocken und vor allem gelassen in die Augen des Klerikers.
"Habt Dank für diese besondere Einladung. Es ist unglaublich schön hier. _________________
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Kalixtus Cardinal


Inscrit le: 24 Fév 2013 Messages: 16248 Localisation: Roma, Palazzo Doria-Pamphilj
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Posté le: Lun Aoû 24, 2026 4:01 pm Sujet du message: |
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Sanfte Musik setzte ein, als Kalixtus auf den Platz deutete, der ihm gegenüber war. Bedienstete kamen mit Schalen und Etageren voll von Früchten, süßem und salzigem Gebäck sowie Krügen mit gekühlten Getränken. Im Laufe des Tages wird man sicher irgendwann zu einem guten Tropfen Wein wechseln, aber noch war der Tag frisch und jung und man war sich der Aufmerksamkeit bewusst, die Hannes dem Interieur und dem Garten schenkte.
Willkommen auf Doria-Pamphilj. Mitten in Rom und doch eine eigene kleine Oase. Das Anwesen gehörte einst Papst Innozenz und liegt ganz in der Nähe des Palastes von Papst Sixtus und dem Kolosseum. Kalixtus deutete auf die Türme des Palastes und die Rundungen des Amphitheaters, die man knapp über seiner Grundstücksgrenze sehen kann.
Es freut mich, dass du den Weg hierhin gefunden hast. Es ist ein Refugium, aber im Sommer bin ich auch häufiger auf meinem Lehen in Senigallia anzutreffen. Es wäre auch eine Option gewesen für unser Aufeinandertreffen. Da hätten wir dann den Strand und den Ozean als Kulisse, doch es zwingen mich einige administrative Vorgänge, in Rom zu verweilen und den Sommer über dann hier zu arbeiten.
Meine Kongregation arbeitet gerade an wichtigen Projekten, die meiner Aufmerksamkeit bedürfen.
Kalixtus schenkte sich vom Zitronenwasser ein und platzierte einige Kirschen sowie einen mit Zitronengelee gefüllten Keks auf das kostbare, mit Goldrand und Bemalung ausgeführte Porzellan, das heute neben den Kristallkelchen als Tischgedeck dienen soll.
Bediene dich ruhig. _________________
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Hannes_von_Sternberg

Inscrit le: 09 Aoû 2026 Messages: 4
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Posté le: Mar Aoû 25, 2026 12:53 am Sujet du message: |
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"Refugium." wiederholte Hannes sanftmütig.
"Ein Ort der Ruhe, des Schutzes, der Zurückgezogenheit sogar?"
Die zahlreichen Bediensteten mit Früchten, Säften, Schüsseln und vielerlei Gütern, die der Zerstreuung und Entspannung dienen sollten, nahm er wahr, doch blieben sie Beiwerk für ihn; zumindest heute bei seinem ersten Besuch. Seine Aufmerksamkeit galt dem weißen Löwen. Er lehnte die meisten Gaben ab, einen prächtigen roten Apfel und einen übervollen Krug voller frischem, klaren Wasser ließ er sich gern gefallen nach der langen Anreise.
"Es war ein weiter Weg, wie du selbst weißt. Das dritte oder vierte mal in diesem Jahr über die Alpen..."
Kurz schwieg er, um die Türme, die Aussicht auf die ewige Stadt zu genießen.
"Doch gehe ich den Weg gerne. Meine Chroniken werden meine Handschrift tragen, weil ich genau die Zusammenkünfte, die wir jetzt pflegen werden, als Grundlage nehmen werde. "
Danke, für den mehr als gebührenden Empfang. _________________
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Kalixtus Cardinal


Inscrit le: 24 Fév 2013 Messages: 16248 Localisation: Roma, Palazzo Doria-Pamphilj
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Posté le: Mar Aoû 25, 2026 11:29 am Sujet du message: |
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Alle Wege, so sagt man, führen nach Rom. So ist dies ein naheliegender Ort für meine Bedürfnisse und für jeden gescheiten Mann, der Wert auf die Wahrheit legt. Immerhin beherbergt Rom nach dem Fall von Alexandria und Athen die größte Bibliothek unserer Zeit. Zu der ich sagenhafterweise den Schlüssel als Bibliothekar der Vatikanischen Bibliothek besitze.
Das Wissen der Welt, Hannes. In den Händen eines Mannes wie mir, wie furchtbar für all meine Widersacher.
Kalixtus lächelte amüsiert und trank von dem Wasser, ehe er eine Kirsche in den Mund nahm.
Deine Chroniken werden dich überdauern. Sie werden deine Inhalte lesen und sie werden sie in den Dienst der Jahrhunderte stellen, vervielfältigen und mit ihnen deinen Namen. Vielleicht so wie Livius oder Tacitus.
Schmeichelt dir der Gedanke, dass dein Name vielleicht irgendwann einmal auf einem Buchband stehen wird, das sich selbst hier im Zentrum der spirituellen Macht einfinden wird? Neben diesen großen Historikern in einer Abteilung zu stehen. _________________
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Hannes_von_Sternberg

Inscrit le: 09 Aoû 2026 Messages: 4
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Posté le: Sam Aoû 29, 2026 1:12 am Sujet du message: |
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Hannes lehnte sich zurück und lauschte seinen Worten. Selbstironie sprach aus ihm heraus; ein gutes Zeichen. Menschen, die sich selbst und auch das Leben an sich nicht zu ernst nahmen, vermochten es die Zukunft ohne Angst und Verbissenheit zu gestalten.
"Meinst du, dass du so viele Widersacher hast?"
Der Chronist lehnte sein Kinn in seine aufgestützte Armbeuge, um ein paar Weintrauben zu essen. Er hielt einen Moment inne ehe er weiter sprach. Eine interessante Frage nach seinen Beweggründen.
"Es gibt mehrere Motive. Aber ja, natürlich ist der Anspruch Geschichte zu schreiben, etwas für die Nachwelt da zu lassen. Es gibt die Möglichkeit 'post mortem' Einfluss auf die Welt zu nehmen. Der Wunsch nicht ausgelöscht und vergessen zu sein. Doch sind es auch andere Dinge, politische Erwägungen. Geschichte spendet Wurzeln, Zusammengehörigkeit. Der Gedanke, dass meine Werke hier eines Tages stehen werden schmeichelt mir, ja, Kalixtus. Aber es ist keine Frage des Vielleicht, sondern nur eine Frage der Zeit. Die Menschheit erkennt die wichtigsten und bedeutendsten Historiker, Philosophen und Denker erst nach ihrem Wirken, das war schon immer so."
Er ließ seinen Gedanken einen Moment im Raum stehen, ehe er sich einer weiteren Weintraube zuwandte. .
"Was schreiben wir für die Nachwelt eigentlich über den weißen Löwen?" _________________
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Kalixtus Cardinal


Inscrit le: 24 Fév 2013 Messages: 16248 Localisation: Roma, Palazzo Doria-Pamphilj
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Posté le: Lun Sep 07, 2026 9:52 pm Sujet du message: |
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Über mich? Kalixtus überlegte sehr ausführlich und dachte an eine Vielzahl an Verdiensten, an fordernden und erfolgreichen Projekten, aber auch an die vielen, die gescheitert sind.
Mein Leben ist komplex, ich bin nicht so zur Welt gekommen, habe nichts geerbt außer einer Reihe von wohlklingenden Namen und Schuld.
Alles, was ich bin, ist das Ergebnis langer, ausdauernder Dienerschaft gegenüber Gott und den Menschen. Zumindest kann ich mir das einbilden. Ob es stimmt, müssen andere Köpfe nach meinem Tod entscheiden.
Was mich aber amüsiert, ist, dass sich die Gelehrten vermutlich ebenso über mich, meine Erfolge, meine verlorenen Schlachten, meine Hybris und meine Demut streiten werden, wie es zu meinen Lebzeiten in aufgeweckter und faszinierender Weise geschieht, wie zu kaum einer anderen Figur der Gegenwart.
Das alleine ist bereits ein würdevoller Verdienst. Ich halte die Debatte am Leben und lasse die Menschen ihr Urteil.
Kalixtus amüsiert sich etwas und fügte nach ein paar Gedankengängen noch hinzu.
Am Ende wird vieles allein im Lächeln meiner Totenmaske verborgen bleiben, da ich nicht alle meine Geheimnisse zu Lebzeiten verraten werde. Mit etwas Glück finden die Suchenden aber zwischen den vielen Zeilen meiner Niederschriften den wahren Geist des Weißen Löwen von Eros und vielleicht hören sie dann das sanfte Rascheln großer Pfoten auf heißem Sand und den riechenden Duft von Weihrauch, Oud und Orangenblüten als zarten Hauch aus dem Jenseits. Wer weiß das schon. _________________
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